1895
- Alois Anton Dominikus
Hess wird am 24. Dezember in Bozen als Sohn
des Beamten Dominikus Hess aus Herlatzhofen
(Württemberg) und seiner aus Österreich
stammenden Frau Rosa geb. Mayer geboren. Er
nennt sich später Louis Christian Hess, oder
einfach Christian Hess.
1908
- Nach der Übersiedlung der
Familie nach Innsbruck und dem Tode des
Vaters verlässt Hess das Gymnasium und tritt
in die Staatsgewerbe-schule ein, wo er sich
im Zeichnen hervortut. Erste selbstgedruckte
Radierungen, Holz‑ und Linolschnitte für ex
Libris.
1912
- Lehre in der
Glasmalereianstalt «Mader» in Innsbruck und
in der Keramik‑Werkstätte «Kunter» in
Bruneck (Tirol).
1915
- Erste Ausstellung seiner
Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle und Holzschnitte in der «Thurn und
Taxishof Gallerie» in Innsbruck.
1916
- Zum Heeresdienst einberufen und
der bayerischen Pionierkompanie Nr. 3 zugeteilt, wird er an die belgische Front,
nach Flandern, entsandt, wo er Gelegenheit hat, Museen und Kirchen der besetzten
Städte zu besichtigen und Eindrücke für seine künftigen Arbeiten zu sammeln.
Entwirft Plakate und Postkarten für das Heer.
1919 -
Immatrikuliert sich an
der Bayerischen Akademie der Bildenden
Künste in München und studiert dort bis 1924
bei Prof. Carl Johan Becker‑Gundhal. Er unterhält
ein Atelier an der Theresienstrasse 75.
1920
- Erste kollektive «Ausstellung
junger Münchner Graphische Kunstwerkstätten» (Briennerstrasse 55), mit einem
Katalog von Georg Jacob Wolf. Die Kritik schreibt: «Die Landschaftsaquarelle
von Ch. Hess könnten sich trotz ihrer Jugend schon in der Aquarell‑Austellung
der Neuen Sezession sehen lassen. Eine stille, heisse Liebe für die Natur atmet
aus ihnen und ein ungemein entwickelter koloristischer Sinn. Besonders
hervorheben möchte ich das feinsinnige Motiv "Sonnenflecken" und das schneidend
kalte Winterbild "Am Inn".
1921
- Kollektive «Ausstellung junger
Münchner» in der Gemäldegallerie St. Martinus (Odeonspaltz 17) zusammen
mit Florian Bosch, Adolf Hartmann, Siegfried Kühnel, Georg Liebhardt,
Josef Nickl, Eugen Siegler, Bernhard Therhorst und den Bildhauern Lothar
Dietz und Benno Miller. Ein Stipendium ermöglicht ihm eine
Skandinavienteise. Erste Werke aus dem Norden Göteborg, Malmö und
Stockholm. Begegnung mit Anatole France.
1922
- Reisen nach Innsbruck, Bozen,
Bruneck, Salzburg und Wien.
1923
-
Im Staatsmuseum in Wien
kopiert Hess auf Bestellung von Sammlern
Werke von Tizian, Velasquez, Veronese, van
der Breul und anderer alter Meister. Grosses
Interesse an klassischer Musik, Oper und
Scenographie.
1924
- Abschluss der
Studien an der Münchner Akademie. Nach Wien zurückgekehrt, widmet er sich der
Porträtmalerei; u.a. porträtiert er mehrfach Erna Ludwig, Opernsängerin am
Deutschen Theater in Wien.
1925
- Besuch der Stadt Florenz und der
Toscana. Kopiert Werke alter Meister im Palazzo Pitti und in den
Uffizien. Zum erstenmal reist er nach Sizilien, wo in Messina seine
Schwester Emma lebt. Ihn begeistern die Farben und die südliche
Landschaft, die das Leitmotiv seiner künftigen Werke werden.
1926
- Aufenthalt in Bozen und Innsbruck.
Dann Rückkehr nach München zur Teilnahme an der Ausstellung «Tiroler
Künstler». Radierungen mit sizilianischen Sujets werden in München in 60
Exemplaren gedruckt. Darauf Reise in die Schweiz. Im Herbst zweite Sizilienreise
‑ über Verona, Bologna, Florenz, Pisa, Rom, Neapel, Capri, Ischia. In Messina
findet er Musse, die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten. Im Oktober dieses
Jahres nimmt er in der Paulus‑Galerie in München an einer Ausstellung teil, wo
er sich auch zum erstenmal als Bildhauer vorstellt.
1927 -
Ein Jahr angestrengter,
fruchtbarer Arbeit in Sizilien. Es entstehen
Werke neuer Farbgebung, die für
Ausstellungen. in Deutschland bestimmt sind.
1928
- Befreundet sich mit Max
Beckmann. Verkauf einer Anzahl
sizilianischer Aquarelle an amerikanische
Kunstliebhaber. Sizilianisch inspirierte
Wandmalereien in der Villa des Industriellen
Mayer in Wismar (Mecklenburg). Ein Teil der
Bilder wird in einer von Staatssekretär
Schulz im Berliner Schloss veranstalteten
Ausstellung gezeigt. Reise nach Berlin und
Dresden. Ausstellungen in Braunschweig und
München (Glaspalast). Wieder Reise nach
Sizilien bis Palermo und Agrigent.
1929
- Schliesst sich der Bewegung der
Juryfreien an und stellt im Münchner Glaspalast aus. An diesen
Ausstellungen beteiligen sich später Picasso, Klee, Max Ernst, Willi
Baumeister, Severini, Mirò u.a. Periode der Triptychen und der
Aktmalerei. Der Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein schreibt im Juli 1929
in seiner «Kunstnotizbuch»: «Die Juryfreien an der
Prinzregentenstrasse formieren sich zusehends als vielversprechende (und
Verheissungen auch schon wahrmachende) Gruppe... Ich notiere mir
einstweilen Christian Hess, Josef Scharl, auch Fritz Burkhardt,
Grassmann, Panizza, von den Plastikern Spengler und Zeh».
Kunstzeitschriften veröffentlichen Bilder von Ch. Hess Der Leipziger «
Cicerone » bringt das Oelbild «Am Strand». Die Münchner «Jugend»,
offizielles Organ des «Jugendstil», veröffenlicht eine Zeichnung:
«Toscanische Landschaft». Ausstellung in der «Paulus Gallerie» mit der
neuen Gruppe «Generation», die der Kritik zufolge den bisherigen
Strömungen der Sezession neue Impulse gibt. Über die Ausstellung «Zeitgemässe
Porträts» schreibt die Münchner Abendzeitung vom 12. November: «Eine
Mutter mit Baby von Ch. Hess schmeichelt durch zarte farbige
Harmonien und ist überaus wahr und überzeugend im Ausdruck». Hess
führt die Entwürfe für Gobelins aus, die für den Salon des Dampfers
«Europa» bestimmt sind. Die « Jugend » veröffentlicht im April als
Titelbild das Werk «Fischer mit roter Weste», Teil eines in der
Sezession ausgestellten Triptychons.
1930
- Ausstellungen im Rheinland und an
der Ruhr. In dem von Eckstein eingeleiteten und Kritiken von Franz Rho, Oskar
Maria Graf und Wolfgang Petzet enthaltenden Katalog der Juryfreien sind zwei in
Messina gemalte Bilder, « Neptun » und «Matrosen», wiedergegeben. In dieser Zeit
führt der Künstler Wandgemälde für die Heilbadeanstalt in Oeynhausen (Westfalen)
aus. Auf Einladung des Oeynhausener Gymnasiums hält er einen Vortrag über
Technik und Geschichte der Wandmalerei. Es entstehen weitere Wandbilder in
Obermenzig bei München. Das Titelbild der Juni‑Ausgabe von «Jugend» zeigt «Am
Wasser», Zentralteil eines in der Sezession ausgestellten Triptychons. Es folgen
Ausstellungen in Berlin, Dresden, in der Schweiz und wieder in München. Die
Landschaften und Farbtöne des Südens herrschen vor. Aus einer Kritik zur
Frühjahrsausstellung in München: « Aus dem Nebeneinander der
Aussteller ergeben sich vielfach aufklärende Vergleiche. Da erscheint Hess mit
Landschaften und einem Fischverkäufer. Er sucht das Vielfache in der Natur auf
eine einfache, stark malerische Ausdrucksform zu bringen. Seine Konzentration
wirkt wohltuend gegen das uns problematisch scheinende Zerfahrensein bei
anderen». 12 Bilder bei der Landesausstellung in Braunschweig. Das Bild
«Schafherde» aus Sizilien wird durch Vermittlung von Karl Hofer für 1.000
Reichsmark in Zürich angekauft. In Zürich begegnet Hess seiner zukünftigen
Gattin Cecilia Faesy und betraut sie mit dem Auftrag, den Verkauf seiner Werke
in der Schweiz zu übernehmen. Wiederum Reise nach Sizilien.
1931
-
Die Künstler der “Juryfreien” werden von den Braunhemden beobachtet.
Anfang März, während einer Versammlung des “Kampfbundes für Deutsche
Kultur” werden die Demonstranten Christian Hess, Adolf Hartmann, Wolf
Panizza und Günther Grassmann (beide blutig geschlagen) aus dem Saal
entfernt. Beim Brande des Münchner
Glaspalastes (6. Juni) werden Bilder von Hess und anderen zerstört. Für
die Künstler der Juryfreien, die ihre Werke verloren, wird eine
«Hilfsausstellung» im Deutschen Museum vorbereitet. Reise nach Rom.
Besucht Museen und Galerien. Erkrankt, wird von Freunden, unter ihnen
Karl Hofer, in der Villa Massimo gepflegt. Nach Deutschland
zurückgekehrt, übernimmt er die Initiative für eine Zusammenarbeit von
Malern, Bildhauern und Architekten in einer gleichnamigen Ausstellung «
Maler, Bildhauer, Architekt ». Hess zeigt Entwürfe von Wandmalereien für
ein Tonfilmtheater in Breslau. Die vorgeschlagene Idee wird von der
Presse (u.a. vom Münchner Abendanzeiger vom 15. September und von der
Münchner Post vom 17. September) aufgenommen und herzlich begrüsst. Die
Ausführung erfolgt erst viel später.
1932
-
Er nimmt auch
an der Ausstellung der «Juryfreien» mit dem Bild « Wartesaal III. Klasse in
Bologna » (Mondpreis London ‑ Opus 30) teil. Ausstellung in der Lenbach‑Galerie
in München, andere Ausstellungen in München (Plastiken) und Düsseldorf.
Wanderausstellung der Vereinigung Deutscher Künstler in Berlin, Nürnberg,
Danzig, Königsberg und Rostock. Ausstellung «Münchner Künstlerpersönlichkeiten»
in Nürnberg. Der Künstler schreibt an die Schwester: «Die Aussichten
für die Zukunft sind nicht mehr rosig, weder politisch noch ökonomisch».
1933
-
Die “Juryfreie” gilt als bolschewitische Kulturvereinigung und es droht
ihre Auflösung. Hess wandert nach Sizilien aus. In
Deutschland hätte er nur im verborgenen malen können, in Sizilien fand
er die Freiheit des Ausdrucks wieder. Diese Zeit ist reich an
inspirierten Werken, welche die Landschaft und die Menschen der Insel
zum Gegenstand haben.
1934
- Vermählt sich mit Cecile Faesy,
welche ihn in Messina besucht und mit der er in die Schweiz zurückkehrt.
1935
- Dort kann er nur eine begrenzte
Tätigkeit ausüben, da die Deutschen in jener Periode von der
Helvetischen Republik nicht gerne gesehen wurden. Er beschäftigt sich
mit Theaterregie, Szenographie und schnitzt Marionettenköpfe. Mit Hilfe
von Freunden gelingt es ihm, einige unsignierte Bilder zu verkaufen.
1936
- Wieder fährt er mit seiner Frau
nach Sizilien und nimmt Möbel und Bilder mit, die er nicht in Deutschland lassen
wollte. Nach einigen Monaten Trennung von der Ehefrau; der Künstler hatte im
Zusammenleben mit ihr nicht das nötige Verständnis und die erhoffte Ruhe finden
können. Cecil fährt allein nach der Schweiz zurück. Durch Freunde erfährt er vor
den politischen Ereignissen und Veränderungen in Deutschland und Österreich.
1937
- Hess probiert neue
Maltechniken, aber es gelingt ihn nicht
mehr, im gewöhnlichen Rhythmus zu arbeiten
Eine tiefe geistige Krise bringt ihn fast
auf den Gedanken des Selbstmordes, aber, von
der Schwester ermutigt, entschliesst er sich
zu neuem Aufbruch.
1938
- In die Schweiz zurückgekehrt,
findet er in Liestal bei Jürg Spiller gastfreundliche Aufnahme. Dort gib er ohne
behördliche Erlaubnis Malunterricht. Die Gattin, von welcher er sich bald darauf
scheiden lässt, verkauft noch in Zürich Bilder auf seine Rechnung Die
Aufenthaltserlaubnis wird ihm verweigert. E fährt wieder nach Deutschland, wo
das künstlerisch und kulturelle Leben vom Regime kontrolliert wird.
1939
- Er begegnet u.a. seinem Freunde
Franz Gebhardt am Chiemsee, in dessen Haus sich ihm Gelegenheit zum
Malen und Modellieren bietet. Seine Plastiken sollten in der Werkstätte
Kirchner in Bronze gegossen werden. In Oberwössen/Bayern malt er
Wandbilder in einem Restaurant, dessen Inhaberin die verwitwete Gattin
des Bildhauers Oskar Zeh ist, der sich ein Jahr vorher in München
erschoss.
1940
- In München wird er von der
Staatspolizei angehalten, zum Zivildienst eingezogen und wegen seiner schlechten
Gesundheit der Post zugewiesen.
1941
- Schwer erkrankt, wird er ins
Schwabinger Krankenhaus in München eingeliefert. Nach der Entlassung
wird er wieder in die «Reichskunstkammer» aufgenommen. Zu diesem Zwecek
muss er seine arische Abstammung nachweisen. Die benötigten Dokumente
erhält er in Württemberg. Nach seiner Rückkehr verschlimmert sich seine
Krankhit, und er wird diesmal in der Heilanstalt Planegg untergebracht.
Entlassen, fährt er nach Tirol zu Verwandten in Axam bei Innsbruck.
Inzwischen unterbrechen die Seidenfabriken in Krefeld ihre Arbeit, für
welche er Stoffmuster entwarf, und er verliert somit die monatliche
Vergütung von 300 Mark. Er begibt sich nach Zirl, um einige
Wandmalereien im Rathaus auszuführen.
1942
- In Innsbruck wird ihm vom
«Landesleiter der Reichskammer der Bildenden Künste beim Landeskulturverwalter
Gau Tirol und Vorarlberg» ein Atelier in der Adamgasse 8 und dann in der
Universitätsstrasse 6 angewiesen.
1943
- Von Diesem Zeitpunkt an fehlt
jegliche Aufzeichnung und Nachricht.
1944
- Am 26. November stirbt Louis
Christian Hess als Opfer eines Bombenangriffs im Krankenhaus von Schwaz bei
Innsbruck. Er ist auf dem Westfriedhof in Innsbruck beerdigt. |